Diakonie Fürth - Aktuell

Diakonie Fürth nutzt Tag der Pflege auch für eine kritische Bilanz

Anlässlich des internationalen Tags der Pflege sind Pflegekräfte der Diakonie Fürth am Freitagvormittag mit zahlreichen Menschen ins Gespräch gekommen sind. Sie machten damit auf ihre aktuelle Situation aufmerksam. Weil diese herausfordernder kaum sein könnte, nutzte der Fürther Wohlfahrtsverband den Tag auch für eine kritische Bilanz der Pflegereform des vergangenen Jahres.

Nach der Reform ist vor der Reform: Frieder Parche und Ruth Papouschek nutzten den Tag der Pflege auch als Anlass, um sich mit Passanten über die Ergebnisse der Pflegereform auszutauschen. (c) Diakonie Fürth

Dank, Hochachtung und Verständnis - diese drei Worte fielen immer wieder, als am Freitagvormittag Pflegekräfte der Diakonie Fürth in der Fußgängerzone mit zahlreichen Menschen ins Gespräch gekommen sind. Anlässlich des internationalen Tags der Pflege verteilten sie Rosen an Passanten, um auf ihre aktuelle Situation aufmerksam zu machen. Diese könnte herausfordernder kaum sein: Tag für Tag geben die Mitarbeitenden in den Seniorenpflegeheimen oder in der Ambulanten Pflege des Fürther Wohlfahrtsverbandes ihr Bestes, um die ihnen Anvertrauten menschlich, engagiert und professionell zu versorgen.

„Nicht selten wachsen sie dabei über sich hinaus“, betonte Frieder Parche, Leiter der Stationären Altenhilfe bei der Diakonie Fürth, in den Gesprächen. Seine Sorge: „Wenn wir weiter wie bisher gute Arbeit leisten wollen, brauchen wir ausreichend und gutes Personal, das uns an allen Enden fehlt.“ Ein Thema, das in den zahlreichen Gesprächen immer wieder zum Gegenstand wurde, genauso wie die Auswirkungen der Pflegereform des vergangenen Jahres.

„Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff bedingt, dass deutlich mehr Menschen als pflegebedürftig eingestuft werden als noch vor der Reform. In Verbindung mit dem Fachkräftemangel führt dies dazu, dass wir schweren Herzens leider bereits Anfragen ablehnen mussten“, hob Diakonie-Vorständin Ruth Papouschek hervor, die neben der Stationären Altenhilfe auch für die Ambulante Pflege verantwortlich zeichnet.

„Pflege darf niemals ein Risiko für Altersarmut sein“

Für die Gewinnung von Pflegekräften fehlt es ihr an der notwendigen Unterstützung: „Wir brauchen ein Einwanderungsgesetz, beschleunigte Anerkennungsverfahren und erleichterte Umschulungen.“ Die drei Pflegestärkungsgesetze haben für Ruth Papouschek dabei eine Hoffnung enttäuscht: „Sie leisten keinerlei Beitrag zugunsten einer höheren Attraktivität des Pflegeberufs – weder finanziell noch bei den Rahmenbedingungen.“ Es brauche einen Imagewandel des Pflegeberufs.

Inwiefern das Pflegeberufereformgesetz, welches die Pflegeausbildungen ab 2020 grundsätzlich hin zu einer generalisierten Ausbildung verändern wird, Abhilfe schaffen wird, bleibt für Frieder Parche abzuwarten: „Alleine vor dem Hintergrund der offiziellen Bevölkerungsstatistik, die prognostiziert, dass die Zahl der potenziellen Pflegekunden weiter wachsen wird, werden unsere Probleme nicht kleiner. Ohne Angehörige und Ehrenamtliche bräche die Versorgung Pflegebedürftiger über kurz oder lang zusammen.“

Auch gegenüber den Kassen wurde die professionelle Pflege durch die Reform geschwächt, so Ruth Papouschek anlässlich des Tags der Pflege: „Durch zusätzliche Nachweispflichten und Prüfungen sind die internen Bürokratiekosten einmal mehr gestiegen. Für unsere Mitarbeiter in der Verwaltung ist die Abrechnung dadurch nochmals komplizierter geworden. Alle Patienten- und Rahmenverträge sowie Leistungsbeschreibungen waren und sind zu ändern.“ Einzig auf die Tagespflege hat sich die Pflegereform positiv ausgewirkt: Hier konnte durch den großzügigeren finanziellen Rahmen neues Personal eingestellt werden.

Dramatisch ist die Schlechterstellung durch die Neuregelung für einen Teil der Pflegebedürftigen: „Menschen mit ausschließlich körperlichen Einschränkungen erhalten nach der Reform deutlich schwerer eine hohe Einstufung. Der Pflegebedarf muss gegebenenfalls mit hohen Eigenanteilen gedeckt werden. Bei kontinuierlich sinkendem Rentenniveau steigt somit das Risiko für Altersarmut“, so Ruth Papouschek. „Pflege darf aber niemals ein Risiko für Altersarmut sein. Das ist mit der Würde des Menschen nicht zu vereinbaren.“ Ihre Forderung: „Die Reform muss in vielerlei Hinsicht schnellstens nachgebessert werden.“