GeH Hin! - Gemeinde Hardhöhe Hilfenetz
Das Diakonische Werk Fürth und die Kirchengemeinde Heilig-Geist werden am 1. März 2012 ein Projekt zur Armutsbekämpfung im Stadtteil Hardhöhe starten. Es ist auf drei Jahre befristet und soll in dieser Zeit die Situation von Stadtteilbewohnern in schwierigen Lebenslagen verbessern. Derzeit wird für die Arbeit vor Ort eine Sozialpädagogin/ ein Sozialpädagoge gesucht. Zur Stellenausschreibung
Konzeption
für ein armutspräventives Projekt in der Kirchengemeinde Heilig Geist „GeH Hin! Gemeinde Hardhöhe Hilfenetz“
ein gemeinsames Projekt der Bezirkstelle der Diakonie Fürth und der evang.-luth. Kirchengemeinde Heilig Geist
Situationsanalyse
Der Sozialraum
Die Kirchengemeinde Heilig-Geist-Kirche liegt zum größten Teil im Bereich des Stadtteiles Hardhöhe. Seit der Bebauung Ende der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts entstanden hier zunächst viele sozial gebundene Wohnungen. Auch die Wohnungsbaugesellschaft der Stadt Fürth hat hier ihren Sitz. Die Förderungen des sozialen Wohnungsbaus laufen inzwischen zunehmend aus; der sozial gebundene Wohnraum wird jedoch weiterhin stark benötigt.
Dies verdeutlicht sich anhand der nachfolgenden Daten. Am 30.06.2008 betrug der Anteil aller Einwohner des Stadtteils Hardhöhe die von Leistungen nach dem SGB II lebten 7,8 %. Der Stadtteil Hardhöhe gehört damit zu den Wohngebieten mit den meisten Empfängern von Sozialleistungen. Gerade Kinder und Jugendliche sind überdurchschnittlich von Armut betroffen. Mit 17,8 % liegt die Zahl der unter 15-jährigen im Stadtteil, die von Sozialgeld leben über dem Durchschnitt des gesamten Stadtgebietes (17,57 %).
Diese Zahlen sind herausgegeben durch den Beirat für Sozialhilfe, Sozial- und Seniorenangelegenheiten. Nachzulesen sind diese in der Fortschreibung des Armutsberichtes der Stadt Fürth für das Jahr 2008.
Während vor Ort alle Möglichkeiten zur Grundversorgung der Menschen gegeben sind, wurde bei der Besiedlung die soziale Infrastruktur “vergessen”.
Die katholische Kirchengemeinde Christkönig die bisher einen Gemeindesaal in der Leibnizstraße unterhalten hat, zieht sich aus der Hardhöhe zurück und gibt diesen Raum auf. So bleibt neben dem Jugendhaus der Stadt Fürth, das allerdings nicht zentral im Stadtteil liegt, nur die Kirchengemeinde Heilig-Geist-Kirche als Anlaufstelle für die Bewohnerinnen und Bewohner. Deren Gebäude liegen genau im Zentrum des Stadtteiles (in der Mitte der Schulen, ganz nah bei der U-Bahn-Haltestelle und den Geschäften).
Ein großer Vorteil ist die örtliche Nähe zwischen Kirchengemeinde, der dazu gehörenden Kindertagesstätte sowie der Grundschule und der Volksschule. Dies ermöglicht kurze Wege und es existiert bereits ein guter Kontakt durch regelmäßigen Austausch zwischen den Einrichtungen. Dieser wird unter anderem im Rahmen eines Runden Tisches gepflegt, an welchem sich neben der Kirchengemeinde und den Schulen auch Vertreter des Jugendhauses, Vertreter des Vereins „Die Hardsiedler“, die Sozialreferentin der Stadt Fürth, die Arbeiterwohlfahrt, und weitere Vertreter aus der kommunalen Politik beteiligen.
Diese „politische“ Ebene bietet die Möglichkeit das armutspräventive Projekt strukturell einzubinden und schafft positive Voraussetzungen welche für die Umsetzung und die nachhaltige Durchführung des Projektes von Vorteil sind.
Situation der Bewohner
Die Daten aus dem letzten Armutsbericht wurden oben bereits dargelegt und verdeutlichen die teilweise äußerst prekäre Lage der Stadteilbewohner. In den letzten Jahren sind verstärkt russlanddeutsche Aussiedler auf die Hardhöhe gezogen. Neben Sprachproblemen ist bei diesen Aussiedlern die Armut ein großes Thema. Neben den Migranten finden sich auch ältere Menschen und kinderreiche Familien oft in schwierigen Lebenslagen wieder. Diese Menschen benötigen unmittelbar zugängliche Hilfemöglichkeiten und Ansprechpartner. Eine Altersbegrenzung ist im Bezug auf das Thema Armut nicht möglich. Festzustellen ist jedoch, dass gerade für die mittlere Alterspanne (18 – 50 Jahre) so gut wie keine unterstützenden Angebote vorhanden sind.
Beobachtungen zeigen, dass die Mehrzahl der Bewohner die von Armut bedroht oder betroffen sind den Weg in die Angebote der Kirchengemeinde bisher nicht gefunden hat. Zwar findet beispielsweise die Tafelausgabe in den Räumen der Kirchengemeinde statt, aber die Möglichkeit einer niedrigschwelligen Kontaktaufnahme zu Gemeindemitgliedern und professionellen Ansprechpartnern fehlt.
In der Kirchengemeinde wird außerdem festgestellt, dass zu den im Gemeindehaus angebotenen Kinder- und Jugendgruppen diejenigen Kinder und Jugendlichen keinen Zugang finden, welche besonders von Armut und damit verbundener sozialer Ausgrenzung bedroht und betroffen sind.
Zudem gibt es auch in den Angeboten der Kirchengemeinde, die hauptsächlich aus Gruppen und verschiedenen Kreisen bestehen, eine große Lücke für die Zielgruppe im Alter zwischen 18 und 50 Jahren.
Die bestehenden Gruppen werden fast ausschließlich von Menschen besucht, die bereits in die Kirchengemeinde integriert sind. Menschen die in schwierigen Lebenssituationen und problematischen Verhältnissen leben und dadurch von Armut bedroht oder betroffen sind werden nicht erreicht.
Doch gerade für diese Menschen und Familien sind unterstützende Angebote und ein funktionierendes soziales Netzwerk wichtig und notwendig. Das wird deutlich, wenn man bedenkt, welch große Belastung es beispielsweise für Kinder und Jugendliche darstellt sich aufgrund der Einkommensschwäche der Eltern und den daraus resultierenden Folgen mit der Bedrohung der eigenen Existenz und Zukunft konfrontiert zu sehen. Im alltäglichen Leben kann dies bedeuten, dass kein Elternteil nach Schulschluss zuhause anwesend ist und bei der Erledigung von Hausaufgaben als Hilfe zur Verfügung steht. Teilweise sind Eltern auch durch eigene sprachliche Defizite nicht in der Lage ihren Kindern notwendige Unterstützung in schulischen Belangen zu geben. Ressourcen der Kinder welche eigentlich für die Bewältigung der eigenen Alltagsaufgaben benötigt werden, fließen aufgrund der Nichtanwesenheit der Eltern häufig in das Übernehmen von „Erwachsenenaufgaben“, z.B. das Mitversorgen jüngerer Geschwister.
Zieldefinition
Um oben angesprochene Versorgungs- und Angebotslücken bedarfsentsprechend zu schließen, soll ein Angebot in Form einer unmittelbaren Anlaufstelle ohne Zugangsvoraussetzungen geschaffen werden. Dadurch kann die Möglichkeit der Teilhabe am Leben in der Gemeinde auch für einkommensschwache und sozial isolierte Personen im Stadtteil gesichert werden.
Durch das Projekt soll ein Platz geschaffen werden, der für Alle zu erreichen ist und ohne Vorbehalte unverbindlich genutzt werden kann. Um dieser Anlaufstelle einen räumlichen Rahmen zu geben, soll ein Bauwagen zentral auf einem Teilgrundstück der Kirchengemeinde zwischen Grund- und Hauptschule Soldnerstraße aufgestellt werden.
Den Stadtteilbewohnern wird durch die Möglichkeit der niedrigschwelligen Kontaktaufnahme der Weg in die bereits bestehenden Gruppen und Kreise im Gemeindehaus eröffnet. Zudem sollen die Bewohner dazu aktiviert werden sich gruppenübergreifend tragfähige soziale Netzwerke aufzubauen. Damit eng verbunden ist ein weiters Ziel des Projektes. Menschen soll die Möglichkeit und die notwendige Unterstützung gegeben werden, sich gegenseitig zu befähigen ihr Leben (wieder) eigenverantwortlich und selbstwirksam zu gestalten. Dabei sollen die Menschen unterstützt werden, mit ihren Lebensbedingungen besser zurechtzukommen und diese im Optimalfall in eigener Regie verbessern zu können.
Um fehlende Chancengleichheit durch soziale Ausgrenzung und fehlende finanzielle Mittel auszugleichen, ist es notwendig gerade Kindern und Jugendlichen zu lebenspraktischen Kompetenzen zu verhelfen. Dies soll vor dem Hintergrund geschehen, ihr persönliches Potential zu erweitern, um die Spirale der Armut durchbrechen zu können. Diese Möglichkeit wird bei gemeinsamen Workshops geschaffen. Hier können Kinder und Jugendliche positive Erfahrungen sammeln und neue Perspektiven entdecken. Dies unterstützt sie ihren Alltag und die damit verbundenen Anforderungen besser bewältigen zu können.
Doch nicht nur Kindern und Jugendlichen soll im Rahmen des Projektes ein sozialer Raum geschaffen werden. Auch Eltern, die oft am Zaun der Grundschule stehen und viel Zeit mit dem Warten auf ihre Kinder verbringen, sollen die Möglichkeit erhalten, in einem dauerhaft aufgestellten Bauwagen über verschiedenste Anliegen zu sprechen oder die Zeit für anregenden Austausch und das Pflegen von Kontakten nutzen zu können. Das Prinzip der Unterstützung zur Selbsthilfe und der informellen Vernetzung soll hier entsprechend zum Tragen kommen.
Der Bauwagen soll als Anlaufstelle sowie als Ort der Vernetzung und Kommunikation allen Generationen offen stehen.
Methodische und praktische Umsetzung
In Anlehnung an die sozialpädagogische Methode der Gemeinwesenarbeit soll der Bauwagen als zentraler Ausgangspunkt genutzt werden um ein niedrigschwelliges, lebensweltorientiertes Angebot für die Bewohner der Hardhöhe zu schaffen.
Dabei wird ein großer Fokus auf die aktive Einbindung der Betroffenen gelegt. Durch das Ernstnehmen der Stadtteilbewohner in ihren Anliegen und Problemlagen sowie der Einbezug ihrer Ideen und Wünschen wird die Bedürfnisorientiertheit gewährleistet. Für die Stadtteilbewohner ermöglicht das große Maß an Mitgestaltung und der Einsatz eigener Ressourcen einen hohen Grad an Identifizierung mit dem Projekt sowie ein Gefühl der Zugehörigkeit. Dies ist Grundvoraussetzung um das Projekt nachhaltig im Stadtteil und in der Kirchengemeinde verankern zu können.
Der Ort an dem der Bauwagen stehen soll, liegt in unmittelbarer Nähe zur U-Bahn-Haltestelle Hardhöhe und den zentralen Einkaufsmöglichkeiten.
Zudem lieg der Platz an einem stark frequentierten Fußweg, der für viele Kinder und Jugendliche Teil des täglichen Schulweges ist. Schüler, die ohne weitere Versorgung das Haus verlassen, sollen im Bauwagen die Möglichkeit nutzen können sich ein kleines Frühstück oder ein Pausenbrot abzuholen. Darüber hinaus können sie im Bauwagen einen Ansprechpartner finden, an den sie sich bei Sorgen und Problemen vertrauensvoll wenden können.
Da nachhaltige Armutsprävention schon bei Kindern und Jugendlichen stattfinden muss, sollen auch Angebote wie „Schüler helfen Schülern“ Teil des Geh Hin! Projektes sein. Nachdem auch feste Räumlichkeiten der Kirchengemeinde genutzt werden können, ist es denkbar in Zusammenarbeit mit der benachbarten Schule beispielsweise Quali-Trainingskurse anzubieten und Hausaufgabengruppen zu ermöglichen. Im weiteren Verlauf kann durch die angestrebte Vernetzungsarbeit im Stadtteil und im Rahmen einer immateriellen Tauschbörse oder Nachbarschaftshilfe die Möglichkeit entstehen, Jugendliche bei der Ausbildungs- und Lehrstellensuche zu unterstützen.
Grundsätzlich soll der Bauwagen allen Stadteilbewohnern offen stehen und nicht an Altersbeschränkungen gebunden sein.
Die oben angesprochene Tauschbörse kann neben individuellen immateriellen Leistungen auch beinhalten, dass Hilfesuchenden Kontakte zu Menschen aus der Gemeinde vermittelt werden, die sich in ähnlichen Lebenssituationen befinden oder über hilfreiche Kompetenzen und Ressourcen verfügen.
Da Problemlagen oft vielschichtig und eventuell noch unsortiert sind, versteht sich der Bauwagen auch als Clearingstelle. An diesem Punkt braucht es den professionellen Mitarbeiter, der an Fach- und Beratungsstellen, beispielsweise die Kirchlich Allgemeinen Sozialarbeit oder die Schuldnerberatung vermitteln kann wenn ein Klärungsbedarf offensichtlich nach einem professionellen Rahmen verlangt.
Um diese Notwendigkeit abzudecken, wird eine Fachkraft mit sozialpädagogischem Hintergrund eingestellt. Das wöchentliche Zeitkontingent soll 30 Stunden betragen.
Da im Laufe des Projektes unterschiedliche Kooperationspartner gewonnen werden sollen, sind die denkbaren Angebote und Möglichkeiten entsprechend vielfältig.
Ein guter Austausch besteht beispielsweise bereits zwischen den benachbarten Schulen welche über einen großen Sportplatz verfügen. Durch die Mitnutzung im Rahmen einer Kooperation würde beispielsweise die Möglichkeit bestehen eine Fußballmannschaft ins Leben zu rufen. Daraus ergeben sich neue selbstgestaltbare Rahmenbedingungen und Möglichkeiten der Freizeitgestaltung für die Stadtteilbewohner.
Das 100m entfernte Gemeindehaus würde als Örtlichkeit zur Durchführung von verschiedensten Aktivitäten zu Verfügung stehen. Hier können Kochkurse in ehrenamtlicher Betreuung angeboten werden oder ein Ferienprogramm während der Schließzeiten des örtlichen Jugendhauses angeboten werden. Die Ideen dazu sind vielfältig und reichen von kleinen Ausflügen bis zu Zirkus- und Theaterworkshops.
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass im Rahmen des Projektes eine notwendige niedrigschwellige Anlaufstelle für die Stadtteilbewohner des sozialen Brennpunktes Hardhöhe geschaffen werden soll. Sowohl Kirchengemeinde als auch Diakonie haben an dieser Stelle den Handlungsbedarf erkannt und gemeinsam ein Angebot erarbeitet welches Menschen in der Gemeinde ansprechen und zusammenbringen will.
Durch die Nähe zum Gemeindehaus erhoffen wir uns außerdem eine Öffnung der gemeindlichen Angebote hin zu den Menschen, welche die Schwelle dorthin bisher nicht überwinden konnten und eventuell eher am Bauwagen andocken. So verbindet sich das Projekt sehr gut mit dem Ziel, auch kirchenfernere von Armut betroffene Menschen in ihrer Lebenswelt in den Blick zu nehmen, erreichen zu können und damit ihre Teilhabe am sozialen und gesellschaftlichen Leben in der Gemeinde sichern zu können.
Unser synodaler Pate ist Alexander Jungkunz. Dieser wird auch ehrenamtlich die Öffentlichkeitsarbeit begleiten und unterstützen.
Anmerkung zur Finanzierung und der praktischen Umsetzung:
Da leider nicht wie beantragt, die volle Förderungssumme durch „f.i.t“ zur Verfügung gestellt werden konnte, ist es bei der Konzeptumsetzung notwendig, sich auf ausgewählte Schwerpunkte des Konzeptes zu konzentrieren. Der Stellenumfang muss auf 20 Wochenstunden reduziert werden.

