Diakonie Fürth - Aktuell

kulturplus ermöglicht seit einem Jahr Teilhabe am gesellschaftlichen Leben

Seit gut einem Jahr unterstützt die Diakonie Fürth mit ihrem Projekt kulturplus finanziell benachteiligten Menschen aus Stadt und Landkreis Fürth die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Seit dem Start im Herbst 2017 konnten durch das Engagement von 14 Ehrenamtlichen bereits an die 1.500 kostenlose Eintrittskarten für Kultur-, Sport- und Freizeitveranstaltungen vermittelt werden.

„Es ist immer wieder schön, wenn ich die Herzlichkeit und Freude spüre, die einem entgegengebracht wird“: Petra Mellmann engagiert sich seit gut einem Jahr ehrenamtlich für kulturplus. (c) Diakonie Fürth

„Möchten Sie bei der Spielvereinigung im Stadion sitzen? Ich hätte da zwei Karten für Sie." Wie oft genau Petra Mellmann diesen Satz im vergangenen Jahr bereits gesagt hat, weiß sie nicht mehr. Woran sich die pensionierte Grundschullehrerin aber bestens erinnern kann, ist die Freude am anderen Ende der Telefonleitung, wenn ihr Anruf Menschen, die normalerweise kein Geld für einen Besuch im Fußballstadion hätten, die Tür zu einem solchen Erlebnis öffnet. Als eine von 14 Ehrenamtlichen unterstützt sie seit Herbst 2017 das Projekt kulturplus. Mit diesem ermöglicht die Diakonie Fürth finanziell benachteiligten Menschen aus Stadt und Landkreis Fürth die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.

Seit dem Start im vergangenen Jahr konnten bereits an die 1.500 kostenlose Eintrittskarten für Kultur-, Sport- und Freizeitveranstaltungen vermittelt werden. Von Anfang an dabei waren die Spielvereinigung Greuther Fürth, die Comödie Fürth oder das Jugendhaus „Alte Scheune". Inzwischen konnte der Kreis der Partner auf 27 ausgeweitet werden. Vom Kino über Theater und Museen bis hin zu Stadtspaziergängen und sogar Punkkonzerten ist alles dabei. So gehören mittlerweile beispielsweise auch das Fürther Stadttheater, das Stadtmuseum oder das Kino Babylon zu den Unterstützern von kulturplus.

„Diese Entwicklung zeigt einmal mehr, wie groß die Spendenbereitschaft und Solidarität in der Fürther Stadtgesellschaft ist", freut sich Miriam Greiner. Die Sozialpädagogin der Diakonie Fürth koordiniert das Projekt. Ruth Kollinger vom Stadtmuseum Fürth betont: „Es ist ein Vorurteil, dass Menschen, die von Armut betroffen sind, kein Interesse an Kultur haben. Wir freuen uns, wenn diese Menschen unser Stadtmuseum besuchen können. Das ist unser kleiner Beitrag dafür, dass Kultur kein Luxus ist."

Sich für andere einzusetzen, denen es im Leben nicht so gut geht, wie einem selbst, war auch für Petra Mellmann der Grund, sich für kulturplus zu engagieren. Immer dienstags sorgt sie unterstützt von einem Computersystem dafür, dass Kulturveranstaltungen und Gäste passgenau zusammenfinden. „Wer sich für das Theater interessiert, bekommt entsprechende Karten angeboten, wer lieber eine Stadtführung machen möchte, wird angerufen, wenn dafür Plätze zur Verfügung stehen", sagt sie. „Es ist immer wieder schön, wenn ich die Herzlichkeit und Freude spüre, die einem entgegengebracht wird."

„Im Theater habe ich mich wieder gefühlt wie ein richtiger Mensch"

Für Petra Mellmann ist ihr Ehrenamt auch aus einem weiteren Grund besonders sinnstiftend: „Ich finde das Projekt deshalb so gelungen, weil kulturplus immer zwei Karten anbietet." Für sie ein besonderes Zeichen der Wertschätzung, auch weil die Regeln so ausgelegt sind, dass das Selbstwertgefühl der Kulturgäste nicht verletzt wird. Niemand muss im Konzertsaal oder an der Stadionkasse seine Bedürftigkeit nachweisen und den Hartz-IV-Bescheid zücken. Die Eintrittskarten sind immer auf den Namen hinterlegt.  

Zu den Kulturgästen gehören unter anderem alleinerziehende Mütter und Väter, Menschen mit Grundsicherung, Kinder und Jugendliche aus armen Familien und Senioren. Eine von ihnen ist Rosemarie. Früher, als sie noch berufstätig war, ist sie oft ins Theater gegangen. Heute reicht der 70-Jährigen ihre Rente nicht einmal für das Nötigste. Bei der Entscheidung „satt werden" oder „Shakespeare genießen", hat der englische Dichter deshalb meist den Kürzeren gezogen. Dank kulturplus ist das nun anders.

Beim Besuch in der Oper, im Theater oder bei einer Lesung kann sie wenigstens für ein paar Stunden die Alltagssorgen vergessen, wieder auftanken. Vor allem aber genießt sie es, auf diese Weise auch ihrer Enkelin wertvolle Erlebnisse ermöglichen zu können: „Gerade Musik und Theater vermitteln ihnen einen anderen Blick auf die Welt. Das ist wichtig für Bildung und Persönlichkeit."

Und noch etwas ist ihr wichtig: „Ich genieße es, durch kulturplus wieder am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können und nicht ausgegrenzt zu sein. Denn im Theater oder bei Lesungen treffe ich auch alte Bekannte wieder." Sie sagt: „Im Theater habe ich mich wieder gefühlt wie ein richtiger Mensch". Es sind Anekdoten wie diese, die auch Petra Mellmann immer wieder aufs Neue Freude bereiten, wenn sie zum Telefonhörer greift. „Ich hätte da zwei Karten für Sie."

 

„Ich hätte da zwei Karten für Sie"

Wer selbst als Gast von kulturplus ins Theater, zum Fußball oder einer Lesung möchte, findet alle weiteren Informationen zum Projekt im Internet: www.kulturplusfuerth.de. Weitere Informationen gibt es bei Miriam Greiner: 0911 74933-22 oder kulturplus@diakonie-fuerth.de.