Diakonie Fürth - Aktuell

Marktplatzgespräch lud Fürther zur Diskussion ein

Gerechte Löhne und Arbeitsbedingungen, Nachhaltigkeit, sozialer Frieden – jene Themen hatte Martin Luther freilich noch nicht im Blick, als er mit seinem Thesenanschlag dazu aufforderte, das Geld den Armen zu geben. Doch könnte seine damalige Forderung im Jahr des 500. Reformationsjubiläums aktueller nicht sein. Aus diesem Grund lud ein Marktplatzgespräch im Herzen von Fürth dazu ein, das Thema „Von Arbeit leben können – jetzt und im Alter“ aus verschiedenen Blickwinkeln zu diskutieren.

Anders als bei gewöhnlichen Diskussionsrunden, blieb beim Marktplatzgespräch stets ein Platz frei, um auch die Zuhörer ins Gespräch einzubinden.

1,3 Millionen Empfänger von Arbeitslosengeld II (Hartz IV) bekommen zu ihrem Lohn „Ergänzungsleistungen“, weil ihnen das Geld nicht reicht. Gerechte Löhne und Arbeitsbedingungen, Nachhaltigkeit, sozialer Frieden – jene Themen, die uns 2017 beschäftigen, hatte Martin Luther freilich noch nicht im Blick, als er mit seinem Thesenanschlag dazu aufforderte, das Geld den Armen zu geben. Doch könnte seine damalige Forderung im Jahr des 500. Reformationsjubiläums aktueller nicht sein.

Aus diesem Grund lud die Diakonie Fürth gemeinsam mit dem Evangelisch-Lutherischen Dekanat Fürth und der Caritas Fürth Ende Juni zu einem Marktplatzgespräch ein. Unter der Moderation von Dekan Jörg Sichelstiel diskutierten Günther Meth, Leiter des Jobcenters Fürth Stadt, Gerhard Fuchs, Geschäftsstellenleiter der Industrie- und Handelskammer (IHK) Fürth, Hanna Kaltenhäuser, Sozialwis¬senschaftliche Referentin des Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt der Evang.-Luth. Kirche in Bayern (KDA) und Jana Schwarzer, Sozialberaterin der Diakonie Fürth.

Das Format, in dem das Thema „Von Arbeit leben können – jetzt und im Alter“ am Grünen Markt aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet wurde, war ein besonderes: Anders als bei gewöhnlichen Diskussionsrunden üblich, blieb beim Marktplatzgespräch stets ein Platz frei, um auch die interessierten Zuhörer aktiv ins Gespräch einzubinden. Diese machten davon eifrig Gebrauch, sodass im Beisein von Fürths Oberbürgermeister Thomas Jung, der ebenso eine Zeitlang im Publikum Platz nahm, wie Elisabeth Reichert, Referentin für Soziales, Jugend und Kultur in der Kleeblattstadt, eine vielfältige, rege und kontroverse Diskussion entstand.

„Wir haben aktuell die geringste Arbeitslosigkeit und dennoch die höchste Armut“, nahm beispielsweise Stephan Stadlbauer vom Sozialforum Fürth kein Blatt vor den Mund, als er auf dem freien Stuhl Platz genommen hatte. Ein anschauliches Beispiel dafür lieferte Jana Schwarzer aus ihrem Beratungsalltag: „Eine 23-jährige alleinerziehende Mutter arbeitet Vollzeit in der Gastronomie und das Geld reicht ihr trotz Mindestlohn dennoch nicht zum Leben.“ Ihre Forderung lautete deshalb: „Wir brauchen Beschäftigungsverhältnisse, deren Einkommen ein menschenwürdiges Leben ermöglichen, bis ins Rentenalter hinein.“

Stachel im Fleisch, Finger in der Wunde

Die Sozialpädagogin, die in der Kirchlichen Allgemeinen Sozialarbeit (KASA) der Diakonie täglich Menschen in Notlagen berät und unterstützt, hob hervor, wie erniedrigend dieser Umstand sei. Fürths IHK-Geschäftsstellenleiter Gerhard Fuchs unterstrich, dass das Thema trotz brummender Konjunktur und Beschäftigtenzahlen, die sich auf Höchstniveau bewegen, auch für ihn von Bedeutung sei: „Es gibt in Fürth einige Einzelhändler, die alles andere als begütert sind und mehr verdienen würden, wenn sie als Angestellte in einem Laden stehen würden.“

Für ihn, wie für den Leiter des Jobcenters Fürth Stadt, Günther Meth, liegt eine mögliche Lösung des Problems in der Qualifizierung und Fortbildung. Letzterer betonte: „Mit einer fundierten Ausbildung ist eine nachhaltige Beschäftigung möglich.“ Bei vielen seiner Kunden sei jedoch große Überzeugungsarbeit zu leisten, um diese zu einer Umschulung zu bewegen, fügte Günther Meth gleichzeitig hinzu. Aus der Sicht von Jana Schwarzer ist diese Lösung ohnehin lediglich eine Umschichtung des Problems: „An die Stelle des einen tritt dann eben eine andere gering qualifizierte Arbeitskraft, für die kein auskömmliches Leben möglich sein wird.“

„Die Prekarisierung von Beschäftigungsverhältnissen macht keine Rentenanwartschaft mehr möglich, die ein auskömmliches Leben im Alter zulässt“, beklagte auch Hanna Kaltenhäuser vom Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt. Sie forderte deshalb einen grundlegenden Umbau der Rentenversicherung. Für Hanna Kaltenhäuser ist es deshalb wichtig, dass Sozialverbände wie die Diakonie Fürth „weiterhin Stachel im Fleisch bleiben und immer wieder den Finger in die Wunde legen“. Das neue Format „Marktplatzgespräch“ könnte dabei sicherlich Schule machen.