Diakonie Fürth - Aktuell

Neue Wege in der Demenzarbeit

Seit Ende Oktober bietet die Diakonie im Landkreis Fürth gGmbH in Kooperation mit der Deutschen Alzheimer Gesellschaft - Landesverband Bayern e.V. „Klettern trotz(t) Demenz“ an. Das deutschlandweit einzigartige Projekt vermittelt dementiell Erkrankten eine bessere Beweglichkeit und Körperbeherrschung, mehr Selbstwertgefühl und nicht zuletzt Spaß und Lebensfreude.

Ein bessere Beweglichkeit und Körperbeherrschung, mehr Selbstwertgefühl und nicht zuletzt Spaß und Lebensfreude: Der therapeutische Nutzen des Kletterns ist vielfältig.

Es ist ein Artikel in einer Fachzeitschrift für die Pflege von Menschen mit Demenz, der Gudrun Schuster nicht mehr loslässt. Selbst seit 18 Jahren begeisterte Kletterin, ist die Krankenschwester und Fachkraft für Gerontopsychiatrie von dem beschriebenen Projekt in Österreich sofort angetan: Dementiell Erkrankte besuchen regelmäßig eine Kletterhalle und versuchen sich spielerisch, aber ehrgeizig an der Wand. Was Gudrun Schuster liest, überzeugt sie: „Der Bewegungsablauf beim Klettern ist die ureigene Fortbewegungsform des Menschen. Der Einsatz von Händen und Füßen beim Weiterkommenwollen sind evolutionsbedingt unbewusst in jedem verankert.“

In ihrer täglichen Arbeit, im ambulanten Pflegebereich der Diakoniestation Oberasbach, erlebt sie es immer wieder, dass mit der Erkrankung zunehmend auch die Beweglichkeit und damit die Lebensqualität verloren geht: „Für viele Menschen besteht der einzige Ortswechsel am Tag nur noch darin, sich vom Bett an den Tisch und von dort aufs Sofa zu setzen. In der Folge nimmt die Beweglichkeit kontinuierlich ab, bis selbst Kämmen oder Rasieren nicht mehr möglich sind.“

„Die Demenzkranken waren selbst erstaunt
über ihre Fähigkeiten und ihren Mut“


Doch daneben beobachtet Gudrun Schuster häufig aber auch, dass Menschen aufgrund mangelnder Balance, Unsicherheit auf den Beinen und Sturzangst die Treppenstufen zu Hause auf allen Vieren nehmen. Den Artikel im Kopf, entschließt sie sich deshalb kurzerhand, die Idee auch hier umzusetzen. Seit Ende Oktober bietet die Diakonie im Landkreis Fürth gGmbH „Klettern trotz(t) Demenz“ in Kooperation mit der Deutschen Alzheimer Gesellschaft - Landesverband Bayern e.V. an. Beim deutschlandweit einzigartigen Projekt haben dementiell Erkrankte gemeinsam mit Nicht-Erkrankten 14-tägig in der Sporthalle der Realschule Zirndorf die Möglichkeit, sich an der Kletterwand zu versuchen.

Der therapeutische Nutzen, eine bessere Beweglichkeit und Körperbeherrschung, mehr Selbstwertgefühl und nicht zuletzt Spaß und Lebensfreude, stellt sich bereits beim ersten Mal ein. „Die Demenzkranken waren selbst erstaunt über ihre Fähigkeiten und ihren Mut. Vor allem waren sie sichtlich stolz, dass sie etwas nicht Alltägliches, Ungewöhnliches, Neues gewagt und geschafft haben“, sagt Gudrun Schuster.

Um bestmöglich auf die besonderen Bedürfnisse eingehen zu können, hat der Sportwissenschaftler Torsten Hans an der Kletterwand eigens drei neue, einfache Routen angebracht. Unterstützt wird Gudrun Schuster bei den Kursen außerdem von zwei Betreuungsassistentinnen und einer ebenfalls klettererfahrenen Sozialpädagogin, die unter anderem das Sichern übernehmen.

„Mit dem Projekt setzen wir unsere Bestrebungen fort, immer wieder auch neue und innovative Wege in der Demenzarbeit zu beschreiten“, betont Ruth Papouschek, Diakonie-Vorständin und Geschäftsführerin der Diakonie im Landkreis gGmbH. „Unser Ziel ist es, die Erkrankten wenigstens für ein paar Stunden in einer positiven Gefühlswelt verbleiben zu lassen.“

Ruth Papouschek hebt hervor: „Dank gilt den finanziellen Unterstützern, ohne die das Projekt nicht möglich gewesen wäre, allen voran Oberasbachs Erste Bürgermeisterin Birgit Huber, die ausschlaggebend war für die Förderung durch den Hauptsponsor Deutsche Alzheimer Gesellschaft.“ Unterstützt wird „Klettern trotz(t) Demenz“ zudem auch durch die Barmer, den Lions Club Zirndorf und die Landkreisstiftung, die mit ihrer Spende das Anbringen der Routen ermöglicht hat.