Diakonie Fürth - Aktuell

Von Rat Gebenden und Rat Suchenden

20 Jahre Sexual- und Schwangerschaftsberatungsstelle l 20 Jahre Fachstelle für pflegende Angehörige l 30 Jahre Schuldner- und Insolvenzberatungsstelle l 30 Jahre Seniorenbegegnungsstätte l 40 Jahre Erziehungsberatungsstelle: All diese Jubiläen standen im Mittepunkt des diesjährigen Diakoniegottesdienstes der Diakonie Fürth Ende Oktober. Wolfgang Janowsky, 2. Vorsitzender des Vorstands der Diakonie Bayern, ging dafür in seiner Kanzelrede der Frage nachgehen, wann ein Rat ein guter Rat ist. Zudem wurde der seit dem 1. April für den Bereich Soziale Dienste zuständige Diakonie-Vorstand Stephan Butt offiziell in sein Amt eingeführt.

Gleich fünf Jubiläen gibt es 2019 zu feiern: Auf 20, 30 und 40 blicken die Sozialberater*innen im Haus der Diakonie in diesem Jahr zurück. Insgesamt 140 Jahre Beratungsarbeit mit unzähligen Anliegen, Sorgen und Problemen. (c) Diakonie Fürth

Sie stehen zur Seite, wenn die Welt durch eine ungeplante Schwangerschaft aus den Fugen gerät. Sie suchen nach Auswegen, wenn die Schuldenlast drückt und das fehlende Geld zum alles beherrschenden Thema wird. Sie beraten, wenn es nicht gelingt, Familie zu leben und die Eltern-Kind-Beziehung leidet. Sie unterstützen pflegende Angehörige dabei, ihre mitunter schwere Last leichter tragen zu können. Sie schaffen Raum für Begegnungen und gemeinsame Aktivität, wenn im Alter der Alltag nicht mehr ausgefüllt ist mit Beruf und Familie. Für all das stehen die Sozialberater*innen der Diakonie Fürth.

2019 ist ein besonderes Jahr für sie. Denn zusammen blicken sie auf 140 Jahre Beratungstätigkeit zurück: die Sexual- und Schwangerschaftsberatungsstelle auf 20 Jahre, die Schuldner- und Insolvenzberatungsstelle auf 30 Jahre. In der Erziehungs-, Jugend- und Familienberatungsstelle bekommen Eltern aus dem Landkreis Fürth bereits seit 40 Jahren Hilfe und Unterstützung. Hinzu kommen 20 Jahre Fachstelle für pflegende Angehörige und 30 Jahre Seniorenbegegnungsstätte. Diese fünf Jubiläen standen im Mittelpunkt des diesjährigen Diakoniegottesdienstes am 24. Oktober in der Altstadtkirche St. Michael in Fürth.

„Es ist kaum vorstellbar, mit welchen Anliegen, Sorgen und Problemen die Menschen in all den Jahren ins Haus der Diakonie in der Königswarterstraße gekommen sind und um Rat gesucht haben“, hob Dekan Jörg Sichelstiel hervor. Der stellvertretende Vorsitzende des Diakonie-Verwaltungsrats lud die Gottesdienstbesucher deshalb ein, darüber nachzudenken, wann sie selbst im Leben einen Rat bekommen haben, der ihnen zu Herzen gegangen ist und weitergeholfen hat. „Denn wann“, so Jörg Sichelstiel nachdenklich, „ist ein Rat auch ein guter Rat?“

„Ein guter Rat nötigt vieles ab“

Wolfgang Janowsky spürte in seiner Kanzelrede dieser Frage noch etwas ausgiebiger nach. „Ein Rat ist dann gut, wenn er den Ratsuchenden ernst nimmt, alle Blickwinkel auf das Problem mit einbezieht und vor allem, wenn er nicht von oben herab erteilt wird“, betonte der zweite Vorsitzende des Vorstands der Diakonie Bayern. „Ein guter Rat“, so Wolfgang Janowsky weiter, „nötigt deshalb auch dem Rat Gebenden vieles ab.“ An die Sozialberater*innen der Diakonie Fürth gerichtet, hob er hervor: „Ihnen, die Tag für Tag als Ratgeber gefragt sind, wünsche ich, dass sie sich bei ihrer herausfordernden Tätigkeit nicht zu sehr verausgaben und auch in Zukunft immer die nötige Kraft zum Wohle der anderen aufbringen können.“

Es war nur einer von zahlreichen Wünschen, die an diesem Abend für die Jubilar*innen ausgesprochen wurden. Denn zu Beginn des Gottesdienstes waren die Besucher dazu eingeladen, Fürbitten für die Mitarbeitenden und Klient*innen zu formulieren. Einen besonderen Wunsch bekam auch Diakonie-Vorstand Stephan Butt mit auf den Weg. Er wurde im Rahmen des Gottesdienstes offiziell in sein Amt eingeführt. Ihm wünschte Pfarrer Jörn Künne, Vorsitzender des Verwaltungsrates der Diakonie Fürth, Kraft und Ausdauer für die vielfältigen und fordernden Aufgaben sowie das nötige Geschick, die Mitarbeitenden stets zu motivieren. Sein künftiges Wirken, als der für den Bereich Soziale Dienste zuständige Diakonie-Vorstand, stellte er unter den Segen Gottes.

Den anschließenden Empfang in der „Grünen Scheune“ von St. Michael nutzten die Gäste, um auf die Jubiläen anzustoßen, aber auch um mit Stephan Butt ins Gespräch zu kommen und sich über die eindrücklichen Worte von Wolfgang Janowsky auszutauschen. Die Gedanken darüber, wann ein Rat ein guter Rat ist, sie hallten noch lange nach. Denn ein Ratschlag ist und bleibt ein zweischneidiges Schwert. Einerseits gieren wir danach, denn er soll uns Entscheidungen leichter machen. Aber andererseits bringt uns ein Ratschlag nicht weiter, der nur aus der Welt des Ratgebers kommt. Denn: Niemand ist in diesem Moment an der Stelle des Gegenübers. Das Resümee des Abends: „Die Sozialberater*innen der Diakonie Fürth schaffen es Tag für Tag in ihrer Arbeit, diesen Spagat zu meistern.“